Angst am Arbeitsplatz überwinden

📖 10 Min. Lesezeit 🏷️ Konfliktkultur & Mobbing

Schweissausbrüche vor dem Meeting, ein flauer Magen beim Gedanken an Montag oder schlaflose Nächte wegen eines bevorstehenden Gesprächs mit dem Vorgesetzten. Angst am Arbeitsplatz ist weiter verbreitet, als viele vermuten. Sie kann sich schleichend entwickeln und unbemerkt immer mehr Raum einnehmen, bis der tägliche Gang zur Arbeit zur echten Belastung wird.

Das Thema ist stark tabuisiert. Wer gibt schon gerne zu, dass er Angst vor der Arbeit hat? In einer Leistungsgesellschaft, die Stärke und Belastbarkeit belohnt, fühlen sich Betroffene oft als Versager. Dabei ist Arbeitsplatzangst laut Pro Mente Sana keine Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf bestimmte Umstände. Den ersten Schritt zur Besserung macht, wer die Angst anerkennt und ihre Ursachen versteht.

Wie sich Arbeitsplatzangst zeigt

Körperlich

  • Herzrasen, Herzklopfen
  • Schwitzen, Zittern
  • Übelkeit, Magenbeschwerden
  • Muskelverspannungen
  • Schlafstörungen

Mental

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedankenkreisen
  • Katastrophisieren
  • Entscheidungsschwäche
  • Gedächtnislücken

Emotional

  • Innere Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Gefühl der Überforderung
  • Hilflosigkeit

Verhalten

  • Vermeidungsverhalten
  • Sozialer Rückzug
  • Prokrastination
  • Übermässige Kontrolle
  • Häufige Krankschreibungen

Was Arbeitsplatzangst auslöst

Häufige Ursachen und Auslöser

Überlastung und Zeitdruck: Unrealistische Deadlines und ständig wachsende Aufgabenberge erzeugen chronischen Stress.

Toxisches Arbeitsumfeld: Mobbing, Intrigen oder ein schlechtes Betriebsklima belasten die Psyche nachhaltig.

Unsicherheit und Veränderung: Restrukturierungen, drohender Jobverlust oder unklare Erwartungen verunsichern.

Perfektionismus und Versagensangst: Hohe eigene Ansprüche und die Angst vor Fehlern blockieren.

Strategien für den Umgang mit Arbeitsplatzangst

1

Angst benennen

Schreiben Sie auf, wovor genau Sie Angst haben. Oft verliert die Angst an Macht, wenn sie konkret wird und nicht mehr als diffuses Unbehagen im Hintergrund lauert.

2

Realitätscheck machen

Fragen Sie sich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Wie wahrscheinlich ist das? Was würde ich einem Freund in dieser Situation raten?

3

Kleine Schritte gehen

Teilen Sie angstbesetzte Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte. Jeder erledigte Schritt stärkt das Selbstvertrauen und reduziert die Vermeidung.

4

Körper beruhigen

Atemübungen, Progressive Muskelentspannung oder ein kurzer Spaziergang helfen, den Körper aus dem Alarmzustand zu holen.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Wenn die Angst Ihren Alltag stark einschränkt, Sie morgens nicht mehr zur Arbeit gehen können oder körperliche Symptome wie Panikattacken auftreten, ist es Zeit für professionelle Unterstützung. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein vernünftiger Schritt zur Selbstfürsorge.

Psychotherapeutische Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie haben sich bei Angststörungen als besonders wirksam erwiesen. Sie helfen dabei, angstauslösende Denkmuster zu erkennen und durch hilfreichere Gedanken zu ersetzen. Auch Hypnose bei Angst kann unterstützend wirken, indem sie auf unbewusste Muster zugreift.

Den ersten Schritt wagen

Arbeitsplatzangst ist behandelbar. Mit professioneller Begleitung finden Sie zurück zu mehr Gelassenheit und Lebensqualität im Beruf.

Was Arbeitgeber tun können

Unternehmen tragen eine Mitverantwortung für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Eine offene Kommunikationskultur, klare Erwartungen und angemessene Arbeitsbelastung sind wichtige Präventionsfaktoren. Führungskräfte sollten geschult sein, Warnsignale zu erkennen und betroffene Mitarbeitende sensibel anzusprechen.

Anonyme Anlaufstellen, Employee Assistance Programs oder der Zugang zu psychologischer Beratung signalisieren den Mitarbeitenden, dass ihre Gesundheit ernst genommen wird. Dies reduziert nicht nur individuelles Leid, sondern auch Fehlzeiten und Fluktuation und zahlt sich langfristig auch wirtschaftlich aus.