Mobbing am Arbeitsplatz ist ein ernstes Problem, das nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Teams und Organisationen schädigt. Die systematische Ausgrenzung, Schikane oder Demütigung von Kollegen kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und führt oft zu langfristiger psychischer Belastung. Als Betroffener, Führungskraft oder aufmerksamer Kollege ist es entscheidend, die Warnsignale frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen.
Das Tückische an Mobbing ist seine schleichende Entwicklung. Was anfangs als harmloser Konflikt oder gelegentliche Sticheleien erscheint, kann sich über Wochen und Monate zu einem systematischen Muster entwickeln. Betroffene zweifeln oft lange an ihrer eigenen Wahrnehmung und fragen sich, ob sie die Situation nicht überbewerten. Diese Unsicherheit ist Teil des Problems und macht es Tätern leicht, ihr Verhalten fortzusetzen.
Was unterscheidet Mobbing von normalem Konflikt?
Nicht jeder Streit oder jede Meinungsverschiedenheit im Büro ist Mobbing. Konflikte gehören zum Arbeitsalltag und können sogar produktiv sein, wenn sie konstruktiv gelöst werden. Der wesentliche Unterschied liegt in der Systematik und der Dauer. Von Mobbing spricht man, wenn negative Handlungen über einen längeren Zeitraum von mindestens sechs Monaten regelmässig auftreten und sich gezielt gegen eine bestimmte Person richten.
Typische Mobbinghandlungen umfassen das Vorenthalten wichtiger Informationen, das Ausschliessen aus Meetings oder informellen Gesprächen, das Verbreiten von Gerüchten, unbegründete Kritik an der Arbeit sowie das Zuweisen sinnloser oder erniedrigender Aufgaben. Diese Verhaltensweisen können von Vorgesetzten, Kollegen oder sogar Untergebenen ausgehen.
Warnzeichen bei Kollegen
- Zunehmende Isolation und Rückzug vom Team
- Häufige Krankheitstage oder Verspätungen
- Sichtbarer Leistungsabfall trotz früherer Kompetenz
- Nervosität oder Ängstlichkeit bei bestimmten Personen
- Emotionale Ausbrüche oder ungewöhnliche Reaktionen
Die fünf Phasen des Mobbings
Phase 1: Konflikt
Ein ungelöster Konflikt bildet den Ausgangspunkt. Spannungen entstehen und werden nicht konstruktiv bearbeitet.
Phase 2: Eskalation
Die Angriffe werden häufiger und persönlicher. Das Opfer gerät in die Defensive.
Phase 3: Management
Das Problem erreicht die Führungsebene. Oft wird der Betroffene zum Problem erklärt.
Phase 4: Fehldiagnose
Die Symptome werden falsch interpretiert. Ärzte behandeln Folgen statt Ursachen.
Handlungsoptionen für Betroffene
Wenn Sie Mobbing erleben oder vermuten, ist der wichtigste erste Schritt das Führen eines detaillierten Tagebuchs. Dokumentieren Sie alle Vorfälle mit Datum, Uhrzeit, beteiligten Personen und möglichen Zeugen. Diese Aufzeichnungen sind später entscheidend, wenn Sie rechtliche Schritte einleiten oder das Gespräch mit der Personalabteilung suchen möchten.
Suchen Sie frühzeitig Unterstützung. Vertrauenspersonen im privaten Umfeld können emotionalen Rückhalt bieten. Professionelle Hilfe durch Psychologen oder die Fachstelle Mobbing und Belästigung unterstützt Sie dabei, die Situation einzuordnen. Für akute Hilfe bei Angst und Panik gibt es spezialisierte Anlaufstellen. Sie müssen das nicht alleine durchstehen.
Professionelle Unterstützung finden
Mobbing kann tiefe Spuren hinterlassen. Therapeutische Begleitung hilft, das Erlebte zu verarbeiten und neues Selbstvertrauen aufzubauen.
Was Führungskräfte tun können
Als Vorgesetzte tragen Sie die Verantwortung, ein respektvolles Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Nehmen Sie Beschwerden ernst und handeln Sie schnell. Bereits das klare Signal, dass Mobbing nicht toleriert wird, kann präventiv wirken. Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden regelmässig zum Thema und etablieren Sie transparente Meldewege.
Achten Sie auf Veränderungen in der Teamdynamik. Wenn einzelne Personen plötzlich isoliert wirken oder die Stimmung bei bestimmten Konstellationen kippt, lohnt sich ein genauerer Blick. Frühzeitiges Eingreifen verhindert, dass sich destruktive Muster verfestigen.