Regelmässige Einzelgespräche, oft One on One Meetings genannt, gehören zu den wirksamsten Führungsinstrumenten überhaupt. Sie schaffen einen geschützten Raum für Austausch, ermöglichen frühzeitige Problemerkennung und stärken die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem. Richtig eingesetzt, sind sie eine Investition, die sich vielfach auszahlt.
Anders als das formelle Jahresgespräch sind One on Ones niederschwelliger und zukunftsorientierter. Sie fokussieren weniger auf Bewertung als auf Unterstützung und Entwicklung. Der Mitarbeitende steht im Mittelpunkt und bestimmt zu grossen Teilen die Agenda. Das schafft Vertrauen und zeigt echtes Interesse an der Person.
Warum One on Ones so wertvoll sind
Beziehung stärken
Regelmässiger Kontakt baut Vertrauen auf und vertieft die Arbeitsbeziehung.
Früh handeln
Probleme werden erkannt, bevor sie eskalieren. Kurze Wege, schnelle Lösungen.
Entwicklung fördern
Regelmässiges Feedback und Coaching unterstützen die persönliche Weiterentwicklung.
Engagement steigern
Mitarbeitende, die sich gehört fühlen, sind motivierter und loyaler.
Die ideale Struktur eines One on Ones
Empfohlener Ablauf (30 Minuten)
Persönlicher Einstieg
Wie geht es dir? Was beschäftigt dich gerade? Auch private Themen haben hier Platz, wenn der Mitarbeitende das möchte.
Agenda des Mitarbeitenden
Der Mitarbeitende bringt seine Themen ein: aktuelle Projekte, Herausforderungen, Ideen, Anliegen. Sie hören zu und stellen Fragen.
Ihre Themen
Falls Sie Themen haben, die angesprochen werden müssen: Feedback, Informationen, Fragen zur Arbeit.
Abschluss und Action Items
Was sind die nächsten Schritte? Wer macht was bis wann? Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.
Gute Fragen für One on Ones
Zum Einstieg
«Was liegt dir gerade auf dem Herzen?» oder «Worüber möchtest du heute sprechen?»
Zur Arbeit
«Was läuft gerade gut? Was macht dir Freude?» oder «Wo stösst du auf Hindernisse?»
Zur Unterstützung
«Was kann ich tun, um dich zu unterstützen?» oder «Gibt es etwas, das dir fehlt?»
Zur Entwicklung
«Was möchtest du lernen?» oder «Welche Fähigkeiten willst du ausbauen?»
Zum Team
«Wie erlebst du die Zusammenarbeit im Team?» oder «Gibt es Spannungen, die ich kennen sollte?»
Zum Feedback
«Was sollte ich als Führungskraft anders machen?» oder «Wie kann ich mich verbessern?»
Die richtige Frequenz finden
| Situation | Empfohlene Frequenz |
|---|---|
| Neue Mitarbeitende (Einarbeitung) | Wöchentlich |
| Etablierte Mitarbeitende | Alle zwei Wochen |
| Erfahrene, selbstständige Mitarbeitende | Monatlich |
| Bei Herausforderungen oder Veränderungen | Häufiger (wöchentlich) |
Best Practices für erfolgreiche One on Ones
- Halten Sie den Termin heilig und verschieben Sie ihn nicht leichtfertig
- Bereiten Sie sich kurz vor: Was wurde beim letzten Mal besprochen?
- Legen Sie das Handy weg und seien Sie voll präsent
- Machen Sie sich Notizen und verfolgen Sie Vereinbarungen nach
- Lassen Sie den Mitarbeitenden die Agenda bestimmen
- Hören Sie mehr zu als Sie sprechen
- Fragen Sie auch nach Feedback zu Ihrer Führung
Häufige Fehler vermeiden
Der grösste Fehler ist, One on Ones ausfallen zu lassen oder sie zu reinen Statusmeetings zu degradieren. Wenn das Gespräch nur noch aus Projektberichten besteht, verliert es seinen eigentlichen Wert. Statusupdates können schriftlich erfolgen, die Beziehungspflege nicht.
Ein weiterer Stolperstein ist mangelndes Follow up. Wenn Sie Unterstützung versprechen, aber nicht liefern, leidet das Vertrauen. Halten Sie deshalb Ihre Zusagen ein und sprechen Sie beim nächsten Mal an, was aus den Vereinbarungen geworden ist.
Führung beginnt bei Ihnen selbst
Gute Führung braucht Selbstreflexion und manchmal auch Unterstützung. Wenn Sie an Ihrer Führungskompetenz arbeiten möchten, gibt es Wege.
Auch für Remote Teams
One on Ones funktionieren auch virtuell, erfordern aber besondere Aufmerksamkeit. Schalten Sie die Kamera ein, um nonverbale Signale wahrzunehmen. Seien Sie besonders aufmerksam für Zwischentöne, die am Bildschirm leichter untergehen. Und planen Sie gelegentlich auch einen informellen virtuellen Kaffee ohne feste Agenda ein.
Für verteilte Teams sind regelmässige One on Ones sogar noch wichtiger, weil die informellen Begegnungen am Gang oder in der Kaffeeküche fehlen. Sie sind oft der einzige Raum für persönlichen Austausch jenseits der Sachthemen.