Kommunikation bei Konflikten

📖 9 Min. Lesezeit 🏷️ Konfliktkultur & Mobbing

In Konfliktsituationen zeigt sich die wahre Qualität unserer Kommunikationsfähigkeiten. Wenn Emotionen hochkochen und die Fronten verhärtet sind, fallen wir oft in alte Muster zurück. Wir werden lauter, unterbrechen, machen Vorwürfe oder ziehen uns ganz zurück. Keine dieser Reaktionen führt zu einer Lösung. Im Gegenteil: Sie verschärfen den Konflikt und beschädigen die Beziehung.

Die gute Nachricht ist, dass konstruktive Kommunikation in Konflikten lernbar ist. Es braucht Wissen über die Mechanismen, etwas Übung und vor allem die Bereitschaft, einen anderen Weg zu gehen. Dieser Artikel stellt Ihnen bewährte Techniken vor, mit denen Sie auch in schwierigen Gesprächen einen klaren Kopf behalten und zu Lösungen beitragen können.

Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation

Das Modell nach Marshall B. Rosenberg

1

Beobachtung

Beschreiben Sie konkret, was Sie wahrgenommen haben, ohne Bewertung oder Interpretation.

2

Gefühl

Benennen Sie, welche Emotion die Beobachtung bei Ihnen auslöst.

3

Bedürfnis

Identifizieren Sie das unerfüllte Bedürfnis hinter dem Gefühl.

4

Bitte

Formulieren Sie eine konkrete, erfüllbare Bitte an den anderen.

Ein Beispiel macht das Modell greifbar: Statt «Du hörst mir nie zu!» könnten Sie sagen: «Als du vorhin während meines Berichts auf dein Handy geschaut hast (Beobachtung), hat mich das frustriert (Gefühl), weil mir wichtig ist, dass meine Arbeit gesehen wird (Bedürfnis). Könntest du während meiner Präsentationen das Handy weglegen? (Bitte)»

Techniken für deeskalierende Kommunikation

Aktives Zuhören

Signalisieren Sie durch Blickkontakt, Nicken und kurze Bestätigungen, dass Sie zuhören. Fassen Sie zusammen, was Sie verstanden haben, bevor Sie antworten.

«Wenn ich dich richtig verstehe, fühlst du dich übergangen, weil du von der Entscheidung erst erfahren hast, als alles beschlossen war. Stimmt das?»

Offene Fragen stellen

Fragen, die mit Was, Wie oder Welche beginnen, öffnen das Gespräch und laden zur Reflexion ein. Sie signalisieren echtes Interesse an der Perspektive des anderen.

«Was wäre für dich eine gute Lösung in dieser Situation?» oder «Wie hast du das erlebt?»

Emotionen benennen

Erkennen Sie die Gefühle des anderen an, auch wenn Sie seinen Standpunkt nicht teilen. Das schafft Verbindung und senkt den emotionalen Druck.

«Ich merke, dass dich das wirklich ärgert.» oder «Das klingt, als hättest du dich sehr darüber gefreut.»

Tempo rausnehmen

Wenn die Emotionen hochkochen, verlangsamen Sie bewusst das Gespräch. Pausen sind erlaubt und oft heilsam.

«Lass mich kurz nachdenken, bevor ich antworte.» oder «Ich brauche einen Moment, um das zu verarbeiten.»

Kommunikationsbarrieren erkennen

Manchmal sabotieren wir unsere eigene Kommunikation, ohne es zu merken. Bestimmte Verhaltensweisen wirken wie Türschliesser und erschweren eine konstruktive Lösung. Wenn Sie diese Muster bei sich erkennen, können Sie gegensteuern.

Verallgemeinerungen

Wörter wie «immer», «nie», «alle» oder «keiner» provozieren Widerspruch und machen eine sachliche Diskussion schwer. Bleiben Sie bei konkreten Situationen.

Du-Botschaften

Sätze, die mit «Du» beginnen, klingen schnell nach Anklage. «Du hast vergessen...» aktiviert den Verteidigungsmodus. Besser: Ich-Botschaften verwenden.

Gedankenlesen

Zu wissen glauben, was der andere denkt oder beabsichtigt («Du wolltest mich absichtlich blossstellen»), führt in die Sackgasse. Fragen Sie lieber nach.

Unterbrechen

Wer den anderen nicht ausreden lässt, signalisiert Geringschätzung und verhindert, die vollständige Perspektive zu verstehen.

Die Kraft der Metakommunikation

Manchmal ist es hilfreich, über das Gespräch selbst zu sprechen. Das nennt man Metakommunikation. Wenn Sie merken, dass ein Gespräch aus dem Ruder läuft, können Sie eine Ebene höher gehen: «Mir fällt auf, dass wir gerade immer lauter werden. Können wir einen Moment innehalten?» oder «Ich habe das Gefühl, wir reden aneinander vorbei. Lass uns nochmal von vorne anfangen.»

Diese Technik durchbricht festgefahrene Muster und gibt beiden Seiten die Chance, das Gespräch neu auszurichten. Sie signalisiert auch, dass Ihnen nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Austauschs wichtig ist.

Kommunikation verbessern

Konflikte hinterlassen oft Spuren. Wenn Sie merken, dass Sie in schwierigen Gesprächen immer wieder in dieselben Muster fallen, kann therapeutische Begleitung helfen.

Üben, üben, üben

Neue Kommunikationsmuster brauchen Zeit und Übung. Beginnen Sie in einfacheren Situationen, bevor Sie sich an die grossen Konflikte wagen. Reflektieren Sie nach schwierigen Gesprächen: Was ist gut gelaufen? Was würden Sie anders machen? Und seien Sie nachsichtig mit sich selbst, wenn es nicht gleich perfekt klappt.

Manche Unternehmen bieten Trainings zur gewaltfreien Kommunikation oder zum Konfliktmanagement an. Solche Schulungen können ein guter Einstieg sein, um die Techniken kennenzulernen und in geschütztem Rahmen zu üben, bevor der Ernstfall eintritt.