Mediation Grundlagen für Unternehmen

📖 9 Min. Lesezeit 🏷️ Konfliktkultur & Mobbing

Konflikte am Arbeitsplatz kosten Zeit, Geld und vor allem Nerven. Wenn klassische Gespräche nicht mehr weiterhelfen und die Fronten verhärtet sind, bietet Mediation einen strukturierten Weg zur Lösung. Diese Form der professionellen Konfliktbegleitung hat sich gemäss dem Schweizerischen Dachverband Mediation als wertvolles Instrument in der Arbeitswelt etabliert. Sie ermöglicht es den Beteiligten, unter neutraler Anleitung selbst zu tragfähigen Vereinbarungen zu gelangen.

Das Besondere an der Mediation ist der Fokus auf die Interessen hinter den Positionen. Während bei einem klassischen Streit jeder auf seinem Standpunkt beharrt, hilft die Mediation dabei, die eigentlichen Bedürfnisse und Anliegen sichtbar zu machen. Oft zeigt sich dann, dass scheinbar unvereinbare Gegensätze überbrückbar sind, wenn man die Ebene der Vorwürfe verlässt und sich auf gemeinsame Ziele konzentriert.

Die fünf Phasen einer Mediation

1

Eröffnung und Vereinbarung

Der Mediator erklärt das Verfahren und seine Rolle. Die Parteien einigen sich auf Regeln der Zusammenarbeit und bestätigen ihre Bereitschaft zur Teilnahme. Vertraulichkeit wird vereinbart.

2

Themensammlung

Jede Partei schildert ihre Sichtweise ohne Unterbrechung. Alle relevanten Themen werden gesammelt und priorisiert. Der Mediator fasst zusammen und strukturiert.

3

Interessenklärung

Hinter den Positionen werden die eigentlichen Interessen, Bedürfnisse und Gefühle herausgearbeitet. Dies ist oft der entscheidende Schritt zum gegenseitigen Verständnis.

4

Lösungsoptionen entwickeln

Kreatives Brainstorming ohne Bewertung. Alle Ideen werden gesammelt. Erst danach werden die Optionen auf ihre Tauglichkeit geprüft und bewertet.

5

Vereinbarung

Die gefundene Lösung wird konkret ausformuliert und schriftlich festgehalten. Klare Verantwortlichkeiten und Zeitrahmen werden definiert.

Vorteile gegenüber anderen Verfahren

Zeitersparnis

Eine Mediation dauert Stunden bis Tage, Gerichtsverfahren oft Jahre.

Kosteneffizienz

Deutlich günstiger als juristische Auseinandersetzungen.

Vertraulichkeit

Alles bleibt im Raum. Keine öffentlichen Gerichtsverhandlungen.

Selbstbestimmung

Die Parteien finden eigene Lösungen statt eines aufgezwungenen Urteils.

Wann ist Mediation sinnvoll?

Mediation eignet sich besonders dann, wenn die Beteiligten auch nach dem Konflikt weiter zusammenarbeiten müssen. Im Gegensatz zu einem Gerichtsurteil, das Gewinner und Verlierer produziert, ermöglicht Mediation eine Lösung, mit der alle Seiten leben können. Dies ist entscheidend für die weitere Zusammenarbeit im Team oder zwischen Abteilungen.

Typische Anwendungsfälle in Unternehmen

  • Konflikte zwischen Teamkollegen oder Abteilungen
  • Auseinandersetzungen zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden
  • Streitigkeiten bei Erbschafts- oder Nachfolgeregelungen
  • Konflikte zwischen Gesellschaftern oder Partnern
  • Probleme bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern
  • Umstrukturierungen mit hohem Konfliktpotenzial

Die Rolle des Mediators

Ein Mediator ist kein Richter und kein Therapeut. Seine Aufgabe ist es, den Prozess zu steuern und für einen respektvollen Austausch zu sorgen. Er greift nicht inhaltlich in den Konflikt ein und macht keine Lösungsvorschläge. Stattdessen stellt er die richtigen Fragen, sorgt für ausgewogene Redeanteile und hilft den Parteien, ihre eigenen Lösungen zu entwickeln.

Die Neutralität des Mediators ist sein wichtigstes Gut. Beide Seiten müssen darauf vertrauen können, dass er keine eigene Agenda verfolgt. Aus diesem Grund lehnen professionelle Mediatoren Aufträge ab, wenn sie zu einer Partei eine Vorbeziehung haben oder Befangenheit nicht ausgeschlossen werden kann.

Konfliktbewältigung beginnt bei sich selbst

Manchmal braucht es professionelle Unterstützung, um die eigenen Reaktionsmuster zu verstehen und neue Wege im Umgang mit Konflikten zu finden.

Grenzen der Mediation

Mediation ist kein Allheilmittel. Sie setzt die freiwillige Teilnahme und Gesprächsbereitschaft aller Beteiligten voraus. Wenn eine Partei nicht ernsthaft an einer Lösung interessiert ist oder die Machtungleichgewichte zu gross sind, stösst das Verfahren an seine Grenzen. Auch bei akuten Gefährdungssituationen oder strafrechtlich relevantem Verhalten ist Mediation nicht das geeignete Instrument.

Wichtig ist auch, dass Mediation keine therapeutische Aufarbeitung ersetzt. Tieferliegende psychische Belastungen oder Traumata gehören in die Hände von Fachleuten aus der Psychotherapie. Ein guter Mediator erkennt, wenn die Grenzen seines Verfahrens erreicht sind und empfiehlt gegebenenfalls weiterführende Unterstützung.